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Sicherheit im Tunnel: Blick hinter die Kulissen – Actionreiche Tests im Schöneichtunnel

Wie sicher sind wir eigentlich, wenn wir täglich durch Tunnel fahren? Für viele Verkehrsteilnehmende ist der Weg durch einen Strassentunnel Teil des Alltags. Was oft in wenigen Sekunden durchquert wird, ist das Ergebnis jahrelanger Planung, Bauprozesse – und vor allem: detaillierter Sicherheitsvorkehrungen. Denn der reibungslose Betrieb eines Strassentunnels und die Sicherheit im Tunnel basiert nicht nur auf Beton und Asphalt, sondern auf einem komplexen System modernster Technologie: der Betriebs- und Sicherheitsausrüstung, kurz BSA.

Ein eindrückliches Beispiel für den Umfang und die Relevanz solcher Systeme liefern die jüngsten Tests im neu sanierten Schöneichtunnel in Zürich, der im Zuge der Einhausung Schwamendingen ausgebaut wurde. InfraTech war mit dabei – und gibt in diesem Beitrag einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen dieser spektakulären Sicherheitstests.

BSA – die stille Lebensversicherung im Tunnel

Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen umfassen sämtliche technischen Einrichtungen, die im Normalbetrieb und insbesondere im Ereignisfall für die Sicherheit im Tunnel und der Verkehrsteilnehmenden sorgen. Dazu gehören unter anderem:

  • Brandmeldeanlagen
  • Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
  • Notbeleuchtungen
  • Fluchtwegkennzeichnungen
  • Lüftungssysteme
  • Videoüberwachung
  • Kommunikationssysteme
  • Zutrittskontrollen
  • Branddetektion und Löschanlagen

Diese Systeme werden vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) in enger Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros, Bauunternehmen und spezialisierten Technikfirmen wie InfraTech geplant, umgesetzt und – ganz wesentlich – getestet.

Sicherheit im Tunnel: Warum Tests unverzichtbar sind

Die BSA in einem Tunnel ist so gut wie ihre Funktionsfähigkeit im Ernstfall. Darum schreibt das ASTRA vor, dass nach jedem Neubau oder jeder umfassenden Sanierung eines Tunnelsystems umfangreiche Funktions- und Sicherheitstests durchgeführt werden müssen.

Diese Tests gehen weit über einfache Systemchecks hinaus: Sie simulieren realitätsnahe Szenarien – etwa Fahrzeugbrände, Stromausfälle oder Sichtbehinderungen durch Rauch – und überprüfen in Echtzeit die Reaktionsfähigkeit der gesamten Infrastruktur.

Dabei werden u. a.:

  • Brandquellen entzündet, um die Reaktion der Lüftungsanlage zu analysieren,
  • Evakuierungsdurchsagen getestet, um Verständlichkeit und Reichweite zu beurteilen,
  • Rettungswege und Fluchttüren geöffnet, um deren Zugänglichkeit sicherzustellen,
  • Leitsysteme aktiviert, um zu prüfen, ob sie korrekt in Richtung Fluchtweg signalisieren.

Ein solches «Härtetest»-Szenario wurde auch im Schöneichtunnel durchgeführt – mit beeindruckenden Ergebnissen für die Sicherheit im Tunnel.

Der Schöneichtunnel und die Einhausung Schwamendingen – ein zukunftsweisendes Projekt für Sicherheit im Tunnel

Der Schöneichtunnel ist Teil des Stadtautobahnabschnitts der A1 in Zürich und spielt eine zentrale Rolle im Zürcher Verkehrsnetz. Mit dem Projekt Einhausung Schwamendingen wurde der Tunnel verlängert und ein städtebauliches Zeichen gesetzt: Die Autobahn verschwindet teilweise unter einem neuen Deckel, auf dem künftig ein öffentlicher Grünraum entsteht.

Dieser neue Tunneldeckel bringt zusätzliche Anforderungen an die Sicherheit mit sich. Entsprechend hoch ist der Anspruch an die BSA in diesem Bereich – nicht nur, um Fahrzeuglenkende zu schützen, sondern auch Anwohner und Passanten im Bereich oberhalb des Tunnels.

Actionreiche Tests mit ernstem Hintergrund: Sicherheit im Tunnel

Im Sommer 2025 fanden im Schöneichtunnel die grossen Sicherheits- und Funktionstests statt. Dabei wurde unter anderem ein Tunnelbrand simuliert. Dazu wurde in einem kontrollierten Szenario künstlicher Rauch erzeugt, der sich in kürzester Zeit im Tunnel ausbreitete – exakt wie in einem realen Ereignisfall.

Die automatische Brandmeldeanlage erkannte das Ereignis innerhalb weniger Sekunden, und die Lüftungssteuerung reagierte unmittelbar. Die Absaugventilatoren begannen, den Rauch gezielt aus dem Tunnel zu leiten. Parallel wurden die Notbeleuchtung und die Fluchtwegkennzeichnungen aktiviert – in grellem Grün blinkten die Rettungssymbole über den Fluchttüren.

Auch die Kommunikationssysteme wurden auf Herz und Nieren geprüft: Lautsprecherdurchsagen informierten über die Evakuierungsanweisungen, während Einsatzkräfte über separate Funkverbindungen koordiniert wurden. Für Passanten auf der darüberliegenden Einhausung war vom Szenario wenig zu merken – ein klares Zeichen dafür, dass das System auch unter Extrembedingungen funktioniert und für die Sicherheit im Tunnel sorgt


Wissen schützt: Wie erkenne ich Gefahr im Tunnel?

Moderne Technik kann Leben retten – doch sie entfaltet ihre volle Wirkung nur dann, wenn auch die Menschen im Tunnelumfeld wissen, wie sie auf Gefahrensignale reagieren sollen. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) betont in einem aktuellen Beitrag, wie wichtig die Aufmerksamkeit und das richtige Verhalten von Verkehrsteilnehmenden im Tunnelalltag sind – besonders in Ausnahmesituationen wie Pannen, Staus oder Bränden.

Ein zentrales Element sind die optischen Warnsysteme, die bei einer Gefährdung automatisch aktiviert werden: Eine deutlich hellere Notbeleuchtung etwa signalisiert, dass eine Störung oder ein Zwischenfall vorliegt. Gleichzeitig treten leuchtende Fluchtwegkennzeichnungen in Kraft, die den schnellsten Weg in Sicherheit weisen. Auch blinkende orange Ampeln oder rote Lichtsignale am Tunneleingang (das sogenannte „Portalrot“) sind klare Hinweise: Hier stimmt etwas nicht – bitte anhalten oder ausweichen.

Im Brandfall greift ein ganzes System ineinander: Spezielle Brandnotbeleuchtung aktiviert sich auf der Seite der Notausgänge, um die Orientierung bei starker Rauchentwicklung zu erleichtern. Blinksignale über Fluchttüren helfen zusätzlich, die Ausgänge schnell zu finden. Ergänzt wird all das durch automatische Brandmeldeanlagen, die Feuer und Rauch schon in der Entstehungsphase erkennen – und die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in Gang setzen.

Doch Technik allein genügt nicht. Die beste Ausrüstung kann nur dann wirken, wenn die Menschen im Tunnel ruhig und richtig reagieren. Das ASTRA empfiehlt deshalb klare Verhaltensregeln:

  • Auf keinen Fall wenden – das ist lebensgefährlich
  • Warnblinkanlage einschalten und das Fahrzeug stehen lassen
  • Das Auto nur an gesicherten Stellen (z. B. Pannenstreifen oder Notbuchten) abstellen
  • Rasch über gekennzeichnete Fluchtwege den Tunnel verlassen
  • Bei Bedarf die Notrufnischen aufsuchen und Hilfe anfordern

Solches Wissen ist im Ernstfall entscheidend – und kann Menschenleben retten. Deshalb setzt sich auch InfraTech dafür ein, dass Sicherheitsinfrastruktur und Benutzerverhalten zusammen gedacht werden. Denn die Verantwortung für Sicherheit im Tunnel liegt nicht nur bei den Systemen – sondern auch bei jedem einzelnen Menschen, der sie nutzt.

Den vollständigen Beitrag des ASTRA mit allen Empfehlungen und Hintergrundinformationen finden Sie hier: Wie erkenne ich Gefahr im Tunnel? – ASTRA-Blog.

Sicherheit als zentrales Thema auch bei InfraTech

Auch wenn InfraTech im Projekt Schöneichtunnel keine direkte Rolle gespielt hat, beobachten wir solche Entwicklungen mit grossem Interesse. Denn sie betreffen genau die Themenfelder, in denen wir selbst tätig sind. Die Integration, Prüfung und Weiterentwicklung von Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen gehört zu den zentralen Aspekten unserer Arbeit im Bereich Infrastruktur und Verkehrstechnik.

Ob in Tunneln, Verkehrsanlagen oder bei sicherheitskritischen Messsystemen: Wir legen grossen Wert darauf, dass Systeme nicht nur technisch einwandfrei geplant, sondern auch realitätsnah getestet werden. Denn Sicherheit entsteht nicht allein durch Technik – sie entsteht durch vorausschauendes Denken, präzise Umsetzung und intensive Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten.

Solche aufwendigen Tests wie im Schöneichtunnel verdeutlichen eindrücklich, wie wichtig systemübergreifendes Denken und robustes Engineering für den Schutz von Menschenleben im Infrastrukturbereich sind. Genau diesen Anspruch verfolgen wir bei InfraTech in all unseren Projekten.